Das Comeback der Stoffwindeln

Ein Erfahrungsbericht von Mama Regina

Zu Beginn meiner Schwangerschaft hätte ich nie gedacht, dass ich mal mit Stoff wickeln werde. Ich habe mich nicht einmal großartig mit dem Thema Wickeln beschäftigt, da es für mich sowieso alternativlos und klar schien, mit Wegwerfwindeln (WWW) zu wickeln.

Als dann mein Mutterschutz begann und ich viel im Internet unterwegs war, stieß ich zufällig auf einen amerikanischen Schwangerschaftsblog, der an einem Tag das Thema Wickeln behandelte. Es sei jeder Mutter überlassen, ob sie mit WWW wickeln will oder mit Stoff. Erst dachte ich noch: „wer macht das denn freiwillig?“, aber als ich weiterlas und sie schrieben, dass eine WWW 200-500 Jahre braucht, um zu verrotten, war ich schockiert und wurde hellhörig. Beim Weiterlesen wurde erklärt, dass Stoffwickeln nicht mehr nur mit viereckigen Baumwolltüchern funktioniert, die irgendwie gefaltet werden müssen, sondern dass es mittlerweile eine Reihe moderner Stoffwindelsysteme gibt.

Mein Interesse war auf jeden Fall geweckt, vor allem weil wir in unserem Haushalt immer mehr Wert auf Müllvermeidung legen und uns ökologisches Haushalten am Herzen liegt. Deswegen war auch mein Partner sofort interessiert und an Bord, als ich auch ihm den Blog-Post über Stoffwindeln zeigte.
Also ging die Recherche los und ich wühlte mich durch Internetforen und Youtube-Videos um mich in den Stoffwindeldschungel reinzufinden – denn auf den ersten Blick ist das Thema doch sehr komplex.

Je mehr ich mich in das Thema reinfuchste, desto mehr Vorteile wurden mir klar und ich wurde immer begeisterter. Neben dem für mich initial ausschlaggebenden Aspekt der Müllvermeidung, kamen noch einige Argumente für’s Stoffwickeln dazu!
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    Windelgutschein

    jedes Bundesland in Österreich fördert die Nutzung von Stoffwindeln! In Wien zum Beispiel bekommt man einen 100 € Gutschein, den man bei einem Windelkauf im Wert von 250 € geltend machen kann! Denn natürlich sind auch die Kommunen daran interessiert, den Müll der Windeln zu reduzieren, der schließlich ca 5 % vom gesamten Restmüll von zB ausmacht.

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    Hautverträglichkeit

    Manche Kinder bekommen von den Chemikalien in den WWW Hautausschlag. Durch die Nutzung von Stoffwindeln kann dieses Problem behoben werden!

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    Wiederverkaufswert

    Ja, es ist wahr, man kann die Windeln weiterverkaufen, wenn man sie nicht mehr braucht! Probiert das mal mit benutzten Pampers….

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    Anscheinend werden Stoffwindel-Kinder auch früher trocken als WWW-Kinder, weil sie den Zusammenhang zwischen Pinkeln und nasser Windel schneller verstehen, da die Flüssigkeit in den WWW durch Chemikalien absorbiert wird. Meine Erfahrungswerte zu diesem Punkt, muss ich noch schuldig bleiben…

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    Die Windeln wachsen mit!

    Grundsätzlich gibt es von den Anbietern meist 2 Größen. Einmal für NEWBORN (ca 3-6 kg, je nach Marke) und dann die ONE-SIZE (ca 3-15 kg). Ich muss aber klar sagen, dass ein neugeborenes Baby in einer ONE-SIZE Windel schon sehr verloren wirkt, weswegen ich die NEWBORN-Größe auf jeden Fall empfehlen würde. Die One-Size Windeln kann man dann durch zB Druckknöpfe in der Leibhöhe so einstellen, dass sie sich dem wachsenden Kind anpasst, laut Angaben der Hersteller bis zum Trockenwerden.

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    Um auch auf die Chemikalien aus Feuchttüchern zu verzichten, kann man auch mit kleinen Waschlappen und Wasser waschen. Die Windeln müssen ja eh gewaschen werden, deswegen können die Waschlappen gleich zur Windelwäsche dazu! Der Geldbeutel und Babypopo freuen sich!

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    Geldersparnis

    Dieser Punkt ist relativ, denn JA, man spart über die ganze Wickelzeit auf jeden Fall Geld, vor allem wenn man Stoffwindeln auch für Kind Nr 2 oder sogar 3 weiterverwenden kann. ABER, und hier kommt der Knackpunkt: Man wird süchtig nach neuen Farben und Motiven, deswegen richtet sich die Ersparnis nach dem Kaufrausch der Mama…

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    Bringt mich natürlich gleich zum nächsten Punkt: es macht total Spaß und man freut sich wie verrückt auf eine neue Windel mit süßem Print. Da schlägt das Sammlerherz einfach höher. ☺

Alles schön und gut, aber wie ist es denn also mit einem Stoffwindelbaby… für die Antwort zu dieser Frage musste ich mich natürlich auch gedulden, bis unser Schatz dann auf die Welt kam.

Ich hatte mich mit verschiedenen Windelsystemen in der Newborn Größe eingedeckt, um herauszufinden, welche Systeme für uns am besten passen und welche ich dann in der ONE SIZE Größe weiternutzen möchte. (Das kann ich interessierten Neu-Mamas auch empfehlen! Wer aber nicht gleich so viel Geld ausgeben möchte, und nur mal probieren möchte, für den gibt es auch Angebote von Miet- bzw Testpaketen, die man nach einer Testphase wieder zurückgeben kann!) Ich habe alles gekauft – im Shop bei Popolini, online und auch auf Willhaben bin ich fündig geworden.

Vom ersten Tag an, als wir zu Hause waren, wurde unser Sohn also mit Stoffwindeln gewickelt. Es geht sehr schnell, dass man eine Waschroutine entwickelt und man findet auch rasch heraus, welche Systeme am besten zu einem passen. Wir verwenden zu Hause tagsüber Pocketwindeln und Prefolds mit Überhosen, nachts Höschenwindeln mit Überhosen und unterwegs Pocketwindeln und All-In-Ones. Die Systeme, die mich nicht überzeugt haben, konnte ich erfolgreich auf Willhaben wieder loswerden.

Zum Wickeln selbst muss ich sagen, dass es nicht viel anders ist, als mit WWW, da das Anlegen der Windeln sehr einfach ist, und auch mit Klettverschlüssen oder Druckknöpfen ohne Probleme und rasch funktioniert, sodass auch Omas, Opas und Tanten gut damit zurecht kommen!
Vom Tragen her ist es natürlich so, dass der Windelpopo größer ausfällt, als bei WWW, weswegen man die Hosen schnell mal eine Nummer größer braucht und Leggings auch nicht die optimale Wahl sind. Wir sind mit Strumpfhosen und Pumphosen super unterwegs und wenns doch mal eine Hose sein soll, dann ist es eher eine Baggy-Jeans.

Gegen starke Nässe in der Windel, lege ich eine Mikrofleeceeinlage in die Windel, damit die Flüssigkeit schnell weiter in den Kern geleitet wird. So hat das Kind auch keinen klitschnassen Popo und außerdem ist die Einlage auch sehr schön flauschig auf Babys Haut.

Viele fragen sich wahrscheinlich, wie das mit dem großen Geschäft abläuft… ich kann vorweg sagen: alles halb so wild. ☺ Solange nur gestillt wird, kann alles mit in die Waschmaschine, weil der Muttermilchstuhl komplett wasserlöslich ist. Sobald man zufüttert, kann man auch ein Windelvlies einlegen, welches man bei Beschmutzung kurzerhand wegwirft. Und wenn es nur Pipi abbekommen hat kann man das Vlies sogar mit in die Waschmaschine schmeißen und wieder verwenden.

Wenn ich die Windeln vom Wäschesack in die Maschine packe, zieh ich mir auch Gummihandschuhe an, somit komme ich auch gar nicht mit etwaigen „Geschäften“ in Berührung und es ist alles gar nicht so ekelig, wie sich das vielleicht manche vorstellen.

Ich wasche die Windeln jeden dritten Tag, da dann eine ganze Maschine bei uns anfällt. Hierbei ist darauf zu achten, dass man ein natürliches Waschmittel benutzt, das keine Enzyme und Duftstoffe enthält und Weichspüler ist natürlich auch tabu, da sonst die Saugkraft der Windeln leidet. Unsere Waschmaschine hat zwar eine Trocknerfunktion, aber ich trockne die Windeln lieber an der Luft. Das dauert ca nochmal einen Tag. Wer einen Trockner hat, spart sich natürlich auch noch das Auf- und Abhängen und die Windeln kommen außerdem sehr flauschig raus.

Nach 5 Monaten Stoffwickeln bin ich auf jeden Fall immer noch begeistert und es wandert immer wieder ein neuer Print oder eine neue Farbe in unsere Stoffwindelsammlung. Ich kann es allen Eltern sehr ans Herz legen, die das Thema Müllvermeidung und ökologischer Fußabdruck auch beschäftigt – und die es interessiert, welche Stoffe/Materialien/Chemikalien an den Popsch vom kleinen Sonnenschein kommen (oder eben nicht).

Comments 1

  1. Mimi

    Hi. Super zusammengefasst. Nur Stoffwindelshops gibt es in Wien auch mit mehr Auswahl als Popolini. BilleKa auf der JosefstädterStr. zb. Bille hat die HuDa Windeln entwickelt und führt auch andere Marken. Also für interessierte Eltern sicher eine tolle Anlaufstelle.

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