Keine Angst vorm Geburtsschmerz!

Kommt das Thema Geburt auf den Tisch, geht es in erster Linie um den Schmerz, der dabei empfunden wird. Meist werden ganz schreckliche Geschichten schwangeren Frauen erzählt, vorwiegend solche, die das Gegenüber nur von Bekannten gehört hat . Diese Erfahrungsberichte von Dritten schüren Ängste und Sorgen, die eine werdende Mama davor gar nicht erst hatte. Wir raten euch, stoppt diese Gespräche so schnell wie möglich. Ein guter Tipp ist, dem Gegenüber zu sagen: „Mein Baby hört gerade mit. Möchtest du wirklich, dass es diese Geschichte hört?“ Ein sehr wirksamer Satz, der meist Verblüffung auslöst. Viele Menschen werden sich erst dadurch bewusst, was sie mit diesen Geschichten bewirken.

Schmerz wird von jedem Menschen anders empfunden – so auch die Wehen. Manche Frauen geben an, die Wehe als Druck zu spüren, andere wiederum als Ziehen oder Brennen. Das heißt, man kann im Vorhinein noch gar nicht wissen, wie es sich für einen selbst anfühlt.

Wir möchten euch heute erklären, wie die Wehenkraft entsteht und vor allem wie sie wirkt. Es ist gut, wenn ihr die Physiologie der Wehen versteht, denn dann wisst ihr, dass der Körper weiß was er tut.

Die Gebärmutter ist ein Muskel wie jeder andere im Körper – mit der Besonderheit, dass er erst bei der Geburt in vollem Maße beansprucht wird. Sie besteht aus drei verschiedenen Muskelschichten, die übereinander liegen, wobei jede davon eine andere Aufgabe hat.

Die innere Schicht der Gebärmutter hält vor allem das Baby während der Schwangerschaft fest im Bauch. Die mittlere Schicht besteht vorwiegend aus Blutgefäßen und sorgt für eine optimale Versorgung der Gebärmutter. Bei den Wehen arbeitet besonders die äußere Schicht der Muskeln. Wenn eine Wehe beginnt, wird der Bauch beginnend von der Oberkante der Gebärmutter hart und schiebt das Baby nach unten um den Muttermund zu öffnen. Ein Muskel der noch nie (beim ersten Kind) oder ein/zweimal im Leben beansprucht wurde, beginnt nun zu arbeiten. Ihr könnt euch vorstellen, es fühlt sich an, als ob man nach langer Zeit ohne Sport, wieder mit Bewegung beginnt. Man spürt ein Ziehen und Zwicken, weil der Muskel es einfach nicht mehr gewohnt ist – so auch bei den Wehen.

Aber die Natur hat das sehr schlau geregelt. Die Wehe baut sich langsam auf, wird größer, hat eine kurze Spitze und flacht dann wieder ab. Sie ist gut vergleichbar mit einer Welle.

Wenn die Wehen anfangen, habt ihr zwischen den einzelnen Kontraktionen – welche nur ein paar Sekunden andauern – längere Abstände, damit ihr euch gut erholen könnt. So habt ihr ausreichend Zeit euch gut einzulassen. Mit der Zeit werden dann die Kontraktionen länger und die Abstände kürzer! Jedoch habt ihr nach jeder Wehe (die selbst am Ende maximal eine Minute dauert!) mindestens doppelt so lange Pause. Auch wenn ihr es euch noch nicht vorstellen könnt – in der Wehenpause spürt ihr nichts, der Bauch wird weich, denn der Muskel entspannt wieder. Die Pause könnt ihr nutzen um zu entspannen, zu essen und trinken.

Während der Kontraktion könnt ihr diverse Atemtechniken anwenden, welche ihr im Rahmen eines Geburtsvorbereitungskurses erlernt. So könnt ihr gut entspannen und das Baby kann den Muttermund öffnen. Umso entspannter ihr dabei seid, desto weniger werdet ihr den Schmerz wahrnehmen.

Unter der Geburt entsteht häufig der Angst-Spannungs-Schmerz Kreislauf. Das heißt, wenn wir vor etwas Angst haben, spannen wir uns automatisch an – wodurch unser Schmerzempfinden gesteigert wird. Denn wenn der sogenannte „Alarmzustand“ von unserem Nervensystem ausgerufen wird, dann können wir keine schmerzlindernden Hormone – auch Endorphine genannt – mehr produzieren. Im Gegenteil – wir schütten Unmengen an Adrenalin aus, was für den Geburtsfortschritt nicht förderlich ist.

Deshalb ist es wichtig, dass ihr euch gut auf die Geburt vorbereitet und wisst was euer Körper während der Geburt macht. Ein Geburtsvorbereitungskurs oder ein Gespräch mit der Hebamme ist auf alle Fälle sehr empfehlenswert. Lasst euch nicht von Geschichten anderer beirren, denn niemand weiß, wie es bei euch sein wird!

„Gebt die Angst und Unsicherheit beim Portier ab und geht offen und positiv in den Kreißsaal und lasst den Rest auf euch zukommen!“

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