Gebären weltweit – Namaste!

Geburtshilfe in Nepal
Stefanie erzählt von ihrer Arbeit als Hebamme in Nepal.

Im Jahr 2011 wollte ich meinen Hebammenhorizont erweitern und bin durch einen glücklichen Zufall in Nepal gelandet. In einem kleinen Gemeindespital wurde ich stationiert und begleitete dort Hebammen und Frauen bei ihrer Arbeit.

Schnell erkannte ich, wie groß die Unterschiede sind und vor allem welche neuen Herausforderungen mich erwarteten! Der wohl größte Unterschied
für mich waren die Hygienestandards. Für den weiteren Einsatz wurden täglich benutzte Handschuhe gewaschen, auf der Wäscheleine vor der Türe getrocknet und danach wieder sterilisiert. Ebenso erfolgte dies mit Venflons (Venenzugang).

Zu meiner großen Verwunderung war die Kaiserschnittrate bei über 70 %, weil es als die sicherste Variante im Krankenhaus gilt. Ziel war es, die Hebammen bei natürlichen Geburten zu unterstützen. Man muss dazu sagen, dass die Hebammenausbildung zu dieser Zeit dort nicht standarisiert war und zwischen einem Tag und zwei Monaten dauern konnte.

Die meisten Frauen kamen zu Fuß ins Krankenhaus oder mittels Bus. Im Kreißsaal lagen alle Frauen am Rücken, zum Teil auch in Stein-Schnitt-Lage.

Bei meiner ersten Geburt im Vierfüsslerstand waren 7 Leute im Kreißsaal , weil sie das noch nie gesehen haben! Staunen und Wundern war angesagt, dass eine Geburt auch in anderen Positionen möglich ist – vor allem auch ohne Dammschnitt. Die Neugierde und Bereitschaft, Neues zu lernen war bei vielen Kolleginnen geweckt.

In großen Krankenhäusern befanden sich zwischen 8 und 10 Frauen in einem Geburtsraum, getrennt durch Vorhänge. Betreut wurden sie von 1-2 Hebammen. Schmerzmittel sind nur bedingt vorhanden und müssen von den Frauen vor Ort bezahlt werden. Nicht für jeden ist eine Schmerzlinderung leistbar. Alle Frauen gingen ambulant nachhause, bei einem Kaiserschnitt durften sie einen Tag im Krankenhaus bleiben. Stillen ist in Nepal eine Selbstverständlichkeit, denn Fertignahrung ist sehr teuer. Daher muss das mit dem Stillen klappen – und das tut es auch. Stillhilfe wird dafür nicht benötigt.

Unvergesslich bleiben auch Hausgeburten mit traditionellen Hebammen (welche über keine spezifische Ausbildung verfügen, sondern im Dorf bereits mehrere Geburten begleitet haben). Telefonnetze sind – besonders in hoch gelegenen Orten – nicht vorhanden. Traditionelle Geburtshelferinnen werden daher von anderen Dorfeinwohnern persönlich aufgesucht und informiert. Daraufhin folgt ein Marsch zur Frau, denn Verkehrsmittel stehen meist nicht zur Verfügung. Angekommen, findet man meist wehende Frauen, die seit einigen Stunden Wehe für Wehe abarbeiten. Notfallausrüstung – Fehlalarm!

Geburt ist in Nepal Frauensache. Männer sind nicht bei der Entbindung anwesend, egal ob zuhause oder im Krankenhaus.

Es war eine schöne, herausfordernde Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ich konnte viel lernen und lernte die Einfachkeit zu schätzen. Gleichzeitig wurde mir auch bewusst wie wertvoll unsere Ausbildungsmöglichkeiten und die moderne Medizin sind.

Comments 1

  1. Julia Stockreiter

    Hallo Stefanie!

    Dein Bericht über Nepal beeindruckt mich sehr, besonders dass du mit deinem Hebammenwissen die Geburtshelfer vor Ort bereichern konntest. Ich bin ebenfalls Hebammenstudentin und gerade dabei mir ein Auslandspraktikum zu organisieren, was sich als eine Herausforderung herausstellt. Ich würde mich sehr freun wenn du mir eine Nachricht schreibst, um Kontakte für Nepal zu haben 🙂 Denn deine Erfahrung in Nepal hört sich wirlich toll an, und ich wäre sehr froh über Infos bzw Kontaktdaten aus erster Hand!

    Alles Liebe, Julia

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