Prophylaxen in Österreich

Kaum ist das Baby auf der Welt, heißt es für euch als Eltern schon Entscheidungen treffen. Im Normalfall werdet ihr von eurer Hebamme, euren Kinderarzt, aufgeklärt, wofür die Prophylaxen sind – trotzdem macht es Sinn, sich mit der Thematik schon früher auseinander zu setzen. Somit könnt ihr diese Entscheidungen ohne Druck treffen – nach der Geburt ist man oftmals durcheinander und körperlich erschöpft – da kann es schon mal vorkommen, dass die Informationen nicht so ankommen oder man sich überrumpelt fühlt.

Daher wollen wir euch eine Übersicht über alle Prophylaxen geben. Empfehlungen von unserer Seite – welche sinnvoll sind, und welche nicht – wollen wir nicht abgeben. Mit den Informationen könnt ihr euch aber selber ein Bild machen und vorab schon darüber nachdenken oder darüber reden.

Eines Vorweg: Eine Pflicht für diese Prophylaxen gibt es nicht – schließlich ist es euer Kind und ihr habt auch die Möglichkeit abzulehnen. Die meisten Krankenhäuser verlangen bei einer Ablehnung eine Unterschrift von euch!

Augenprophylaxe

Direkt nach der Geburt – meist 1 oder 2 Stunden später – gibt es in Österreich die Empfehlung einer Augenprophylaxe für das Kind in Form von Augentropfen. Hintergrund: beim Durchtritt durch den Geburtskanal kommt das Baby mit Keimen in Kontakt (die in der Vagina einfach da, und nicht krankhaft sind). Dieser Kontakt kann eine Augeninfektion herbeiführen. Bei der Prophylaxe erhält euer Kind einen Tropfen Betaisodona-Lösung in jedes Auge. Eine schnelle und einfache Prophylaxe. Dennoch: Studien haben bereits bewiesen, dass diese Prophylaxe nicht soviel Sinn macht und immer mehr Länder in Europa verzichten darauf. In Österreich wird sie nach wie vor empfohlen. Was vielleicht dagegen spricht? Die Tropfen bestehen aus einer Desinfektionslösung und brennen im Auge. Aus unserer Erfahrung können wir jedoch sagen, dass dies nicht so schlimm zu sein scheint – jedenfalls schreien die Kinder nicht, wenn sie die Tropfen erhalten.

Vitamin K Prophylaxe

Vitamin K ist ein wichtiges Vitamin, das für die Blutgerinnung benötigt wird. Neugeborene haben einen VitaminK-Mangel, was im schlimmsten Fall zu Blutungen im Gehirn oder Magen führen kann. Daher gibt es die Empfehlung das Vitamin oral zuzuführen. Insgesamt wird das Vitamin 3x – das 1. Mal am Tag der Geburt, das 2. Mal bei der ersten Untersuchung im MKP, das 3.Mal beim Kinderarzt nach 4 bis 6 Wochen.Die Prophylaxe tut nicht weh – sie erhalten das Vit K oral. Jedoch wird auch empfohlen, dass euer Kind davor schon mal effektiv an der Brust gesaugt hat – somit lernt es als allererstes den Geschmack von Muttermilch kennen und nicht die Tropfen – und das Vit K wird durch das fetthaltige Kolostrum (Vormilch) besser aufgenommen.

PKU Test / Stoffwechselscreening

Stoffwechselerkrankungen gibt es viele. Je später man sie entdeckt, umso gefährlicher, mitunter lebensbedrohlich, können sie werden. Deshalb gibt es das Neugeborenenscreening, das zwischen der 48. und 72. Lebensstunde durchgeführt wird. Im Falle des Falles kann sofort reagiert werden (zb. mit einer Diät). Für den Test wird bei den Kindern Blut mit einem kleinen Stich aus der Ferse abgenommen. Klar, das ist nicht angenehm – jedoch scheint es eher ein Schreck als Schmerzen zu sein, denn sobald sie merken, dass sie bei Mama/Papa sind, beruhigen sie sich schnell wieder. Direktes Anlegen danach macht die Welt dann gleich wieder gut! Das Personal/die Hebamme sollte sich dabei Zeit nehmen – wird die Ferse vor dem Stich gut angewärmt (durch ein Wasserbad oder Kirschkernsäckchen), ist es viel schneller wieder vorbei! Im Labor wird dies dann technisch ausgewertet und ihr würdet nur im Falle einer Erkrankung, oder falls eine zweite Abnahme notwendig wäre, verständigt. Wenn ihr nichts mehr hört – dann ist alles in Ordnung.Achtung: manchmal muss der Test wiederholt werden – das heißt nicht sofort, dass euer Kind krank ist (manchmal gehört ein Wert kontrolliert) – fragt im Zweifel bei der zuständigen Stelle nach!

Rachitisprophylaxe mit Vitamin D

Vitamin D ist wichtig für den Knochenaufbau. Ein Mangel kann zu Knochenverformungen führen. Damit der Körper Vit D aus der Nahrung umwandeln kann benötigt er Sonnenlicht. In Europa haben wir lange und dunkle Winter, Neugeborene kommen nicht soviel in die Sonne – ein guter Grund die Knochen durch Vit D zu stärken. Beginnen sollte man am 6. bis 10. Lebenstag und ein Jahr lang die Prophylaxe täglich durchführen. Vit D gibt es in Tropfenform – ein Rezept erhält ihr von eurem Kinderarzt.


Hüftscreening

Im Rahmen des MKP ist bei Neugeborenen ein Ultraschall der Hüfte vorgesehen. Somit werden Fehlbildungen frühzeitig erkannt, können gleich behandelt werden (meist durch breites Wickeln oder einer Spreitzhose) und wird im späteren Leben keine Probleme haben.

Hörscreening

Hier wird getestet, ob euer Kind hören kann – mittels eines technischen Gerätes. Auch hier ist es wichtig, dass man im Falle des Falles frühzeitig reagieren kann (durch spezielle Förderung). Meistens wird dieser Test bereits im frühen Wochenbett (2 bis 3 Tage nach der Geburt) durchgeführt. Oftmals ist dies jedoch zu früh – die Gehörgänge können noch mit Fruchtwasser verlegt sein. Man möchte den Eltern jedoch einen weiteren Gang zum Arzt ersparen und macht den Test daher meistens mit der PKU-Abnahme mit. Macht euch keine Sorgen wenn es beim 1. Mal nicht gleich klappt – angeborene Hörstörungen sind sehr selten – und der Test wird zu einem späteren Zeitpunkt nochmals wiederholt.

Kariesprophylaxe

Die Empfehlung von Fluorid, um Karies vorzubeugen, ist nicht mehr zeitgemäß und in Österreich nicht mehr praktiziert. Karies ist eine Folge von unzureichender Zahnhygiene und falscher Ernährung. Achtet daher auf zuckerarme Ernährung bei eurem Kind und beginnt so früh wie möglich die Zähne eures Kindes mit einer weichen Bürste zu reinigen – somit lernt das Kind auch gleich, dass Zahnhygiene wichtig ist! Wichtig: Schnuller oder Sauger nicht in den eigenen Mund stecken, bevor es in den Mund euer Kinder geht. Kariesbakterien gelangen somit nämlich in den Mund des Kindes. Sollte euch der Schnuller mal runterfallen, dann am Besten mit Wasser abspülen – das ist die beste Kariesprophylaxe!

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