Stille Geburt

Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Antoine de Saint-Exupéry

Nicht alle Kinder entscheiden sich fürs Leben. Aus meist unerfindlichen Gründen sterben manche Kinder noch bevor sie geboren werden. Ein sehr trauriges Ereignis für Eltern, Geschwisterkinder, Familie, Freunde und Hebammen.

Egal in welcher Schwangerschaftswoche sich das Baby verabschiedet, es ist immer tragisch. Die Diagnose wird per Ultraschall gestellt. Die gute Hoffnung ist von einem zum anderen Moment verschwunden. Traurigkeit, Hilflosigkeit, Unverständnis machen sich breit. Die meisten Eltern werden nach der Diagnose noch einmal nachhause geschickt. Zum einen, damit die Nachricht sickern kann, und zum anderen, um sich von seinem Kind zu verabschieden.

Auch wenn die meisten Mütter zunächst den Gedanken hegen, am liebsten alles sofort hinter sich zu bringen und am besten einen Kaiserschnitt in Vollnarkose machen zu lassen, ist diese eine Nacht zuhause sehr wertvoll und wichtig für den Trauerprozess. Geschwisterkinder können miteinbezogen werden. Sie merken meist sofort, dass etwas nicht in Ordnung ist. Außerdem sind Kinder meist viel besser im Trauern als Erwachsene.

Die meisten Kinder werden natürlich zur Welt gebracht – sofern der Gesundheitszustand der Mutter nicht gefährdet ist. Die Geburt ist ein wichtiger Prozess im Abschied nehmen. Einige Mamas berichten im Nachhinein, dass ihnen erst unter Wehen bewusst worden ist, was passiert ist. Wichtig ist, dass ihr von jemandem begleitet werdet – im besten Fall eure/n PartnerIn. Es ist immerhin euer gemeinsames Kind und die Zeit unter den Wehen gemeinsam zu meistern ist meist sehr wertvoll für die Beziehung.

Betreut werden Paare von einer Hebamme im besten Fall in einem Kreißsaal. Dort gibt es auch noch Zeit für Gespräche. Es ist wichtig, dass Eltern ihre Ängste konkret aussprechen. Nur so können sie – meist sehr schnell und leicht – beseitigt werden.

Die Frage, ob Eltern ihr Kind nach der Geburt sehen möchten, wird oftmals im ersten Moment verneint. Zu groß ist die Angst wie das Baby wohl aussehen könnte. Es gibt jedoch keinen Grund dafür. Bereits in sehr frühen Wochen haben sie alles, was sie bräuchten – sie sind einfach nur zu klein.

Viele Eltern entscheiden sich dafür ihr Kind danach zu sehen, es zu halten, es für eine Zeit einfach bei sich zu haben. Hebammen schaffen einen würdevollen Rahmen, indem sich Eltern gut verabschieden können. Das Baby wird auch gemessen und gewogen, Fußabdrücke werden gemacht. Wenn die Eltern das möchten, kann das Baby auch angezogen werden oder in ein/e mitgebrachte/s Tuch/Decke gewickelt werden. Auch wenn es sehr traurig ist, ist es – aus Hebammensicht – sehr wichtig, dem Kind ein Bild zu geben um gute Trauerarbeit leisten zu können.

Wenn sich Eltern dennoch dagegen entscheiden das Kind zu sehen, werden im Krankenhaus auch Bilder gemacht und in die Krankenakte gelegt, welche noch mehrere Jahrzehnte im Nachhinein abgeholt werden können.

Nach der Geburt müssen die Eltern noch wichtige Entscheidungen treffen, hinsichtlich Obduktion und Beerdigung. Gerade in dieser Situation ist Unterstützung aus der Familie gefragt. Eltern fällt es oft schwer alles alleine zu organisieren und sind über jegliche Hilfe dankbar.

Auch wenn wir in einer Gesellschaft leben, in der es wenige Tabus gibt, ist der Tod eines ungeborenen Kindes weiterhin eines. Viele Mamas wissen gar nicht, wie sie das Familienangehörigen bzw. dem Umfeld erklären sollen. In sehr frühen Schwangerschaftswochen wird es auch oft verschwiegen. Keine gute Idee, sagen wir. Eltern geht es besser, wenn sie offen trauern können. Viele Frauen berichten im Nachhinein, dass – nachdem sie offen ihre Geschichte erzählten – Freundinnen, Tanten, Bekannte darüber berichteten, dass ihnen das gleiche widerfahren ist. Sie sind meist erleichtert, endlich darüber sprechen zu können.

Eine Beerdigung ist ein Ritual des Abschiednehmens, an dem auch Familie und Freunde teilnehmen können, damit auch sie eine Möglichkeit zum Trauern haben. Auch sie haben sich sehr auf das Baby gefreut. Außerdem ist ein Grab ein Platz, an dem man sein Kind besuchen kann.

Eine stille Geburt schließt eine weitere Folgeschwangerschaft nicht aus! Die Wahrscheinlichkeit, dass dies wieder passiert, ist sehr gering.

Zunächst muss das Geschehene jedoch gut verarbeitet und ins Leben integriert werden – um wieder mit Hoffnung nach vorne blicken zu können.

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